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ABSAGEN

ABSAGEN

Nicht jeder Text findet sofort seinen Platz. Auf dieser Seite dokumentiere ich die Neins, die zum Schreiben gehören. Ehrlich, chronologisch und ohne Scham. Jede dieser Rückmeldungen erzählt davon, dass ein Text hinaus in die Welt gegangen ist.

Chronik

„Ungelebte Zeit“

Absage 08 · WORTMELDUNGEN · 2026

Am 23. Juni 2026 reichte ich meinen Essay „Ungelebte Zeit“ beim WORTMELDUNGEN Ulrike Crespo Förderpreis für kritische Kurztexte ein. Der Wettbewerb fragte danach, wie sich über eine Gegenwart schreiben lässt, die wenig Raum für die eigene Zeitgestaltung lässt.

Erst heute, am 15. Oktober 2026, erfuhr ich, dass die offizielle Shortlist bereits am 30. September veröffentlicht worden war und WORTMELDUNGEN keine persönlichen Absagen verschickt.

Aus mehr als 700 eingereichten Texten hatte die Jury zehn für die Shortlist ausgewählt. „Ungelebte Zeit“ war nicht darunter.

Das ist schade. Gleichzeitig bringt die Gewissheit etwas zurück, das im Warten gebunden war: meinen Text. „Ungelebte Zeit“ bleibt unveröffentlicht und darf nun weitergehen – in eine neue Überarbeitung und danach an einen anderen Ort.

Manche Absagen erreichen das Postfach. Diese stand bereits im Internet.

Einreichung:

23.⁠ ⁠Juni 2026

Absage:

15.⁠ ⁠Oktober 2026

Status:

WORTMELDUNGEN

„Muttersprache: Einsamkeit“

Absage 07 · the Diasporist · 2026

Am 27. September 2026 bot ich meinen bereits veröffentlichten Essay „Muttersprache: Einsamkeit“ the Diasporist als mögliche Zweitveröffentlichung an.

Am 15. Oktober erhielt ich eine Rückmeldung von Julia Bosson, Editor-in-Chief des Magazins. Sie bezeichnete meinen Essay als interessant und gut geschrieben. Dennoch konnte die Redaktion ihn nicht annehmen, da sie bereits online veröffentlichte Texte nur selten berücksichtigt.

Dieses Nein richtet sich nicht gegen den Text. Es markiert eine formale Grenze: „Muttersprache: Einsamkeit“ hatte bereits einen Veröffentlichungsort, bevor der Essay bei the Diasporist ankam.

Interessant. Gut geschrieben. Nicht angenommen. Auch diese drei Wahrheiten dürfen gleichzeitig bestehen.

Der Essay wird durch diese Absage nicht kleiner. Aber mein Blick auf den Literaturbetrieb wird genauer: Ein guter Text braucht nicht nur die richtige Redaktion. Er muss sie auch zum richtigen Zeitpunkt erreichen.

Einreichung:

27.⁠ ⁠September 2026

Absage:

15.⁠ ⁠Oktober 2026

Status:

the Diasporist

„Du darfst gehen, wenn es weh tut.“

Absage 06 · Pigeon Publishing · 2026

Am 4. Oktober erhielt ich eine Rückmeldung von Charlotte und Jonas von Pigeon Publishing. Sie hatten meine Einsendung gelesen und noch am selben Tag gemeinsam besprochen. In ihrer Nachricht würdigten sie meine Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema. Für ihr Programm wählten sie den Essay dennoch nicht aus, weil seine stilistische Form nicht vollständig zu ihrer gegenwärtigen Ausrichtung passe. Dabei stellten sie ausdrücklich klar, dass diese Entscheidung kein Urteil über die Qualität meines Schreibens sei.

Sie wünschten mir weiterhin Erfolg und Freude an meiner Kunst und verbanden dies mit der Zuversicht, dass meine Arbeit andernorts ein passendes Zuhause finden werde. Besonders berührt mich ihr persönlicher Nachsatz: Charlotte und Jonas empfahlen mir die Magazine narratif und zwischentext, sobald dort neue Ausschreibungen geöffnet sind. Damit ließen sie es nicht bei einer Ablehnung bewenden, sondern gaben meinem Essay zwei konkrete Möglichkeiten für seinen weiteren Weg mit.

Bemerkenswert ist, wie präzise diese Hinweise zu meiner Arbeit passen. Ihre Ausrichtungen berühren genau jene Perspektiven, aus denen ich schreibe. Sobald neue Open Calls erscheinen, werde ich die jeweiligen Vorgaben prüfen und gezielte Bewerbungen vorbereiten.

Diese Antwort erhält einen besonderen Platz in meiner Chronik. Sie zeigt mir, wie liebevoll ein Nein formuliert sein kann, wenn es die Arbeit nicht kleiner macht und die schreibende Person nicht allein damit zurücklässt.

Dafür bin ich Charlotte und Jonas sehr dankbar.

Einreichung:

26.⁠ ⁠September 2026

Absage:

4.⁠ ⁠Oktober 2026

Status:

Pigeon Publishing

„Muttersprache: Einsamkeit“

Absage 05 · Ungebunden Literaturpreis · 2026

Die Einreichungsfrist endete am 3. September 2026. Drei Tage später schickte ich meinen Essay „Muttersprache: Einsamkeit“ trotzdem noch ein und fragte, ob er nachträglich berücksichtigt werden könne.

Am 9. September antwortete Helena von Kapitel Drei:

„Dein Text wird noch berücksichtigt und ist schon bei der Jury!“

Ich freute mich so sehr, dass ich weinte. Obwohl ich zu spät gewesen war, hatte mein Text noch eine Chance bekommen. Er war nicht aussortiert worden.

Danach wartete ich.

Heute, am 3. Oktober, beginnt das Literaturwochenende mit einer offenen Bühne. Morgen findet das Finale des Wettbewerbs „Ungebunden Literaturpreis“ statt. Sechs ausgewählte Personen werden ihre Texte vor Publikum lesen.

Ich habe keine Einladung bekommen. Aber auch keine Absage.

Genau diese Art von Ablehnung tut weh: das Schweigen danach. Die Hoffnung wird nicht durch einen Satz beendet, sondern durch den Kalender.

Ich hatte sogar überlegt, heute zur offenen Bühne zu gehen, Kontakte zu knüpfen und vielleicht selbst einen Text vorzulesen. Ich schreibe auch deshalb, weil ich nicht gern im Mittelpunkt stehe und schon gar nicht vor einem Publikum sprechen möchte. Trotzdem hätte ich gern selbst entschieden, ob ich mich traue.

Doch für die Veranstaltung braucht man ein Ticket, das ich mir gerade nicht leisten kann. Nun entscheidet das Geld, bevor mein Mut überhaupt eine Chance bekommt.

Morgen werden sechs Stimmen gehört. Meine wird nicht darunter sein.

Einreichung:

6.⁠ ⁠September 2026

Absage:

3.⁠ ⁠Oktober 2026

Status:

Ungebunden Literaturpreis

„Muttersprache: Einsamkeit“

Absage 04 · fluter · 2026

Ich bot meinen bereits veröffentlichten Essay „Muttersprache: Einsamkeit“ der fluter-Redaktion als mögliche Zweitveröffentlichung an und wies transparent auf die Erstveröffentlichung hin. Kristina bezeichnete meinen Vorschlag als spannend. Als Grund für die Absage nannte sie, dass fluter sich bereits ausführlich und erst vor Kurzem mit diesem Thema beschäftigt habe.

Diese Antwort erhält ihren Platz in meiner Chronik, weil auch sie einen Abschnitt auf dem Weg des Essays markiert. Er wurde hinausgeschickt, wahrgenommen und an diesem Ort nicht erneut veröffentlicht. Der Text bleibt und ich schreibe weiter.

Einreichung:

27.⁠ ⁠September 2026

Absage:

2.⁠ ⁠Oktober 2026

Status:

fluter

„Muttersprache: Einsamkeit“

Absage 03 · Psychologie Heute · 2026

Am 26. September 2026 bot ich meinen bereits veröffentlichten Essay „Muttersprache: Einsamkeit“ der Zeitschrift Psychologie Heute für die Rubrik „Der Essay“ an.

Zu dieser Anfrage kam es aufgrund einer fehlerhaften Vorrecherche: Psychologie Heute war zunächst als passender Veröffentlichungsort für meinen Essay eingeordnet worden, ohne vorher zu prüfen, ob die Redaktion externe Textangebote und bereits veröffentlichte Beiträge annimmt. Aufgrund dieser unvollständigen Informationen schickte ich mein Textangebot ab.

Vier Tage später, am 30. September 2026, erhielt ich eine sehr wertschätzende Rückmeldung von Kerstin Panter aus der Redaktionsassistenz. Sie erklärte mir, dass für die Rubrik „Der Essay“ grundsätzlich keine externen Vorschläge vorgesehen sind. Außerdem veröffentlicht Psychologie Heute keine Zweitverwertungen. Die Texte müssen unveröffentlicht und exklusiv für das Magazin sein.

Damit waren gleich zwei formale Voraussetzungen von Anfang an nicht erfüllt: Die Rubrik war für externe Einsendungen nicht geöffnet und mein Essay bereits veröffentlicht. Die Absage war deshalb keine inhaltliche Bewertung meines Textes.

Auch diese Erfahrung gehört vollständig zu meinem Weg. Eine Recherche kann unvollständig oder fehlerhaft sein und zu einer Anfrage führen, bei der die Tür für den angebotenen Text von Anfang an nicht offenstand. Die Redaktion hat mir das freundlich und transparent erklärt. Ich dokumentiere auch diesen Teil, lerne daraus und schreibe weiter.

Einreichung:

26.⁠ ⁠September 2026

Absage:

30.⁠ ⁠September 2026

Status:

Psychologie Heute