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Die Begegnung, die mich mir selbst zurückgab

Ich befinde mich gerade auf einer Reise – einer Reise zurück zu mir selbst.
Und sie ist ehrlicher, tiefer und spannender, als ich es erwartet hätte.

Es ist erstaunlich, was passiert, wenn man sich als Frau wirklich begegnet. Wenn man beginnt, sich selbst zuzuhören. Sich ernst zu nehmen. Sich nicht länger zu übergehen. In dem Moment verändert sich etwas Grundlegendes: die Beziehung zu sich selbst – und damit auch der Blick auf Begegnungen mit anderen.

Oft denke ich darüber nach, wie viel Zeit wir damit verbringen, Männer kennenzulernen, Erwartungen aufzubauen, Möglichkeiten abzuwägen. Und wie leicht wir dabei vergessen, wie viel Kraft darin liegt, diese Energie zuerst in uns selbst zu investieren. In unser Wachstum, unsere Klarheit, unsere innere Stabilität.

Ich bin seit sieben Jahren single. In dieser Zeit habe ich viele Menschen kennengelernt – auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Heute sehe ich klarer: Jede Begegnung war ein Spiegel. Jede hat mir etwas gezeigt. Was mir fehlt. Was ich brauche. Worin ich wachsen möchte. Und was ich mir vom Leben noch wünsche.

Im Moment geht es mir weniger um romantische Beziehungen. Es geht um Entwicklung. Um Ziele. Um Vorangehen. Um echten Austausch. Jede Begegnung ist wertvoll – unabhängig davon, was daraus entsteht. Oder eben nicht.

Vielleicht verpassen wir viele kostbare Begegnungen, weil wir sie vorschnell bewerten. Weil wir uns zu schnell fragen, ob daraus eine romantische Beziehung werden könnte, statt innezuhalten und zu spüren:
Trägt diese Begegnung etwas in sich?
Lerne ich etwas daraus?
Wachse ich daran?

Denn jede Begegnung trägt etwas in sich. Auch die schmerzhaften. Gerade die.

Ich liebe diese Journey.
Zu erkennen, dass jede Erfahrung mich lehrt.
Dass Wachstum nicht bedeutet, perfekt zu werden – sondern ehrlicher mit mir selbst.

Und genau darin liegt für mich im Moment so viel Liebe.

In diesem Jahr habe ich Gott um Klarheit gebeten.
Nicht um Ablenkung. Nicht um Zerstreuung.
Sondern darum, mich selbst wirklich zu finden.
Und darum, nicht mehr wahllos Männer kennenzulernen, sondern in mir ruhig zu werden – bereit für den Mann, der bleiben soll.

Ich habe aufgehört zu suchen.
Ich habe angefangen zu warten.

Und genau dann trat er in mein Leben.

Nicht angekündigt. Nicht geplant.
Ein Mann mit Haltung. Mit Präsenz.
Jemand, der wusste, was er wollte – und es zeigte.
Er war aufmerksam, verlässlich, interessiert.
Nicht sporadisch, nicht halb. Sondern konsequent.

Wir begannen zu schreiben.
Und etwas war anders.
Zum ersten Mal seit Langem konnte ich einfach sprechen.
Nicht erklären, nicht vorsichtig sein, nicht reduzieren.
Die Gespräche waren leicht und gleichzeitig tief.
Intelligent. Zugewandt. Wach.

Dann kam das Treffen.
Und es übertraf alles.

Wir aßen zusammen zu Abend.
Wir sprachen stundenlang.
Wir lachten, hörten einander zu, begegneten uns auf Augenhöhe.
Wir wurden intim – und auch das gehörte zu dieser Begegnung.
Ehrlich. Ohne Verstecken.

Von einem Abend bis in den nächsten Morgen hinein
war es ein Raum, in dem alles stimmte.
Ein Date, das nicht besser hätte sein können.

Ich habe klare Maßstäbe.
Fünf Dinge, die ein Mann mitbringen muss.
Nicht verhandelbar.
Nicht äußerlich.
Sondern in seiner Art, mir zu begegnen.

Er erfüllte sie alle.

Und doch:
Für mich war diese Begegnung ein Geschenk.
Für ihn offenbar nicht dasselbe.

Nach diesem intensiven Zusammensein wurde es still.
Nicht abrupt, nicht brutal – aber spürbar.
Und irgendwann war klar:
Diese Nähe hatte für ihn kein Morgen.

Früher hätte mich das gebrochen.
Diesmal tat es das nicht.

Denn was ich durch ihn erkannt habe,
war größer als jede romantische Hoffnung.

Alles, was ich an ihm bewundert habe,
war etwas, das ich mir selbst lange nicht erlaubt hatte zu lieben.

Meine Intelligenz –
die ich klein gehalten habe, aus Angst, zu viel zu sein.

Meinen Körper –
den ich lange als zu sichtbar, zu präsent, zu weiblich empfand.

Meine Direktheit, meine Ehrlichkeit –
die ich mir selbst oft verboten habe, um gefälliger zu wirken.

Meine Ordnung, meine Klarheit, meine Struktur –
die ich zu verstecken versuchte, obwohl sie Teil meiner Kraft ist.

Und meine Schwarze Identität.
Afrikanerin zu sein.
In einer Welt, die dir täglich vermittelt,
dass deine Existenz anstrengend sei.

All das hat er gesehen.
All das hat er wertgeschätzt.
All das hat er mir gespiegelt.

Nicht, indem er blieb.
Sondern indem er mir zeigte,
dass genau das, was ich an mir infrage gestellt habe,
liebenswert ist.

Diese Begegnung hat mir etwas zurückgegeben,
das ich lange verloren glaubte:
mich selbst.

Manche Menschen kommen nicht, um zu bleiben.
Sie kommen mit einem Auftrag.
Mit einer Erinnerung.
Mit einer Wahrheit, die wir hören müssen.

Wir verfehlen diesen Sinn,
wenn wir jede Begegnung nur daran messen,
ob sie zu einer Beziehung wird.

Manche Begegnungen sind vollständig,
auch wenn sie enden.

Ich bin dankbar.
Aufrichtig dankbar.

Dankeschön,
dass du mich erkennen lassen hast,
dass ich einzigartig bin.
Dass ich mich nicht verkleinern muss.
Dass ich warten darf –
auf eine Liebe, die bleibt,
weil sie mich ganz sieht.

Und genau deshalb ist diese Geschichte geblieben.
Nicht als Verlust.
Sondern als Erinnerung.