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Absage 05 · Ungebunden Literaturpreis · 2026

Die Einreichungsfrist endete am 3. September 2026. Drei Tage später schickte ich meinen Essay „Muttersprache: Einsamkeit“ trotzdem noch ein und fragte, ob er nachträglich berücksichtigt werden könne.

Am 9. September antwortete Helena von Kapitel Drei:

„Dein Text wird noch berücksichtigt und ist schon bei der Jury!“

Ich freute mich so sehr, dass ich weinte. Obwohl ich zu spät gewesen war, hatte mein Text noch eine Chance bekommen. Er war nicht aussortiert worden.

Danach wartete ich.

Heute, am 3. Oktober, beginnt das Literaturwochenende mit einer offenen Bühne. Morgen findet das Finale des Wettbewerbs „Ungebunden Literaturpreis“ statt. Sechs ausgewählte Personen werden ihre Texte vor Publikum lesen.

Ich habe keine Einladung bekommen. Aber auch keine Absage.

Genau diese Art von Ablehnung tut weh: das Schweigen danach. Die Hoffnung wird nicht durch einen Satz beendet, sondern durch den Kalender.

Ich hatte sogar überlegt, heute zur offenen Bühne zu gehen, Kontakte zu knüpfen und vielleicht selbst einen Text vorzulesen. Ich schreibe auch deshalb, weil ich nicht gern im Mittelpunkt stehe und schon gar nicht vor einem Publikum sprechen möchte. Trotzdem hätte ich gern selbst entschieden, ob ich mich traue.

Doch für die Veranstaltung braucht man ein Ticket, das ich mir gerade nicht leisten kann. Nun entscheidet das Geld, bevor mein Mut überhaupt eine Chance bekommt.

Morgen werden sechs Stimmen gehört. Meine wird nicht darunter sein.