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Angst und Enttäuschung in Stärke verwandeln

Tanzen war mein Leben.

Damals besuchte ich eine Grundschule mit Schwerpunkt Musik und Tanz. Meine Lehrerin, Frau Penzek – möge sie in Frieden ruhen –, leitete den Tanzunterricht und war gleichzeitig meine Klassenlehrerin.

Ich durfte Volkstanz lernen und fand es großartig.

Mein Vater filmte alles und jeden. Wir mussten oft vor der Kamera tanzen.

Meine Leidenschaft für das Tanzen wurde mir einfach genommen.

Vor der Operation war ich ein unglaublich lebhaftes und energiegeladenes Kind. Ich war ständig unterwegs und liebte Bewegung.

Irgendwann ließ ich zu, dass die Krankheit mich besiegte.

Es war ein langer Weg, das loszulassen und auch mir selbst zu vergeben. Ich habe wirklich versucht, weiterzutanzen und gleichzeitig mit meiner Erkrankung zurechtzukommen. Aber irgendwann war es einfach zu schwer.

Mein ältester Bruder gründete die Tanzgruppe „Jokers“, in der auch ich Mitglied war. Später gründete ein Freund meines Bruders eine weitere Tanzgruppe namens „Looney Tons“, und auch dort tanzte ich mit.

Irgendwann unterrichtete ich sogar selbst Kinder zwischen neun und fünfzehn Jahren in Hip-Hop und Freestyle.

Wir nannten uns „Soulsisters“.

Was wäre, wenn?

Was wäre gewesen, wenn ich mir damals einen stärkeren Willen gewünscht hätte?

Wenn ich selbstbewusster gewesen wäre?

Wenn meine Liebe zum Tanzen größer gewesen wäre als meine Angst vor den Menschen?

Was wäre, wenn?

Vielleicht wäre alles anders gekommen.

Heute macht es mich umso stolzer, meine Schwester tanzen zu sehen.

Manchmal frage ich mich noch immer, was aus mir geworden wäre, wenn ich niemals an TBC erkrankt wäre und nie Hyperhidrose entwickelt hätte.

Wäre ich professionelle Tänzerin geworden?

Ich werde es nie erfahren.

Das übermäßige Schwitzen hielt mich davon ab, meinen Traum weiterzuverfolgen – bis zu dem Tag, an dem ich schließlich ganz mit dem Tanzen aufhörte.

Es macht mich traurig, dass über Hyperhidrose so selten gesprochen wird und dass sie, wenn sie doch einmal Thema ist, häufig verharmlost wird.

Übermäßiges Schwitzen ist unglaublich unangenehm.

Wie oft musste ich aus einem Raum rennen, um mich sauber zu machen?

Wie oft wurde ich ausgelacht?

Wie oft musste ich eine Einladung ablehnen?

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft.

Immer wieder sagte ich Verabredungen und Einladungen ab, nur um solche Situationen zu vermeiden.

Menschen urteilen häufig über andere, ohne ihre Geschichte zu kennen.

Viele hielten und halten mich für still, weil sie glauben, ich würde mich für etwas Besseres halten oder sei eingebildet.

Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.

Meine Schicksalsschläge haben mich in meinem Wesen eher gebremst.

Ich möchte Mädchen und Frauen zeigen, dass sie schön und genug sind – genau so, wie sie sind.

Mein größtes Ziel ist es, die Wahrnehmung von Menschen zu verändern.

Jeder Mensch ist schön.

Ich wünsche mir, dass Bodyshaming endlich aufhört. Niemand sollte sich wegen seines Körpers, seiner Figur oder seiner Größe hässlich, zu dick oder – noch schlimmer – nicht liebenswert fühlen. Niemand sollte das Gefühl bekommen, falsch zu sein, nur weil er so ist, wie er ist.

Diese negativen Gedanken nehmen unglaublich viel Zeit und Energie ein und setzen Frauen mit den unterschiedlichsten Körpern unter Druck.

Ich selbst bin ein sehr schüchterner Mensch, introvertiert und nicht besonders kontaktfreudig. Ich brauche Zeit, um Vertrauen aufzubauen und aus mir herauszukommen.

Wenn ich das geschafft habe, bin ich albern, energiegeladen, gesprächig und lache unglaublich gerne.

Ich bin dankbar für die Frau, die ich geworden bin, auch wenn ich noch immer wachse, mich weiterentwickle und mich ständig verändere.

Die Vergangenheit holt mich manchmal noch ein.

Aber sie hat mich auch stärker gemacht und dazu beigetragen, dass ich heute die bin, die ich bin.

Und sie hat mir den Mut gegeben, meine Geschichte mit euch zu teilen.