Deutsche Übersetzung des Originals „Transforming Fear and Disappointment Into Strength“ vom 9. April 2021
Ich war ungefähr zehn Jahre alt, als ich eines Abends im Bett lag. Ein paar Minuten später musste ich zur Toilette, doch ich konnte nicht aufstehen. Mein Körper bewegte sich einfach nicht mehr. Völlig geschockt und mit der Situation überfordert schrie ich nach meinem Vater und weinte vor Schmerzen. Er kam sofort und fuhr mit mir in die Notaufnahme.
Die Ärzte konnten nicht herausfinden, was mit mir los war. Trotz meiner starken Schmerzen schickten sie uns wieder nach Hause. Sie schickten uns einfach nach Hause.
Ich verstand die Welt nicht mehr. Die Schmerzen waren unerträglich, und ich stand unter Schock, weil ich plötzlich keine Kontrolle mehr über meinen eigenen Körper hatte. Allein der Gedanke, vielleicht nicht mehr laufen zu können, nahm mir den Atem. Noch nie zuvor hatte ich solche Angst empfunden wie in diesem Moment.
Ich empfand es als verantwortungslos und fahrlässig, dass die Ärzte mich ohne gründliche Untersuchung wieder nach Hause schickten – auch wenn es mitten in der Nacht war. Es fühlte sich an, als würden meine Schmerzen nicht ernst genommen, als würde man glauben, ich würde sie nur vortäuschen. Die ganze Situation überforderte mich vollkommen, und ich hasste dieses Gefühl der Hilflosigkeit.
Heute glaube ich, dass ich in genau diesem Moment unbewusst entschieden habe, mich nie wieder von jemandem oder etwas kontrollieren zu lassen.
Am meisten zerriss es mich, meinen Vater so traurig und wütend zu sehen. Er hätte mir meine Schmerzen am liebsten abgenommen, aber er konnte es einfach nicht. Wir waren beide erschöpft von der ganzen Situation und all den großen Gefühlen. Zum Glück schlief ich auf der Rückfahrt nach Hause im Auto ein.
Mein Vater gab jedoch nicht auf und fuhr am nächsten Morgen mit mir zu unserem Hausarzt. Dort kam sehr schnell die erschreckende Diagnose: Tuberkulose der Wirbelsäule.